114 Jahre Junge
Tradition und Zukunft
Die Liebe zum Handwerk und ein fundiertes Fachwissen verbindet unsere Meister und Gesellen - seit 114 Jahren. Damit bestimmen sie die Produktion in unseren Bäckereien. Und mit modernsten Maschinen und Öfen steht Ihnen das beste Equipment zur Verfügung, um gleichbleibend hochwertige Produkte herzustellen. Das ist unsere Tradition - und das ist auch unsere Zukunft.
Firmenbroschüren im Wandel der Zeit
Schon im Jahre 1927 gab es anläßlich des 30 jährigen Firmenjubiläum eine Broschüre. Hier wird sehr eingehend die Produktionsweise und der Genuß für die Kunden beschrieben.
Natürlich war das 100. Jahr des Firmenbestehens ein Anlaß, eine Sonderausgabe zu veröffentlichen.
Durchstreifen Sie mit uns die Jahrzehnte und entdecken Sie den Genuß. Viel Spaß.
Bewegte Gründerjahre
Am 1. April 1897 gründete Johannes Conrad Detlef Junge in der Lübecker Yorkstraße 17 die Dampfbäckerei Hansa. Das dort gebackene, in Hamburg und Lübeck vertriebene Brot erfreute sich schnell so großer Beliebtheit, dass die Räume trotz ununterbrochener Tag- und Nachtschichten zu eng wurden. Die leerstehende Hufnagelfabrik in der Peterstraße 1 wurde gekauft und zu einer Bäckerei mit zwei modernen Etagen-Dampfbacköfen umgebaut. Zwei Jahre später wurde es auch dort zu eng, so dass Johannes Junge die Chance ergriff, die Ende 1899 freigewordenen Räumlichkeiten in der Breiten Straße 13 zu pachten. Das Haus in der Lübecker Innenstadt wurde zu einer Großbäckerei mit fünf Etagen-Dampfbacköfen, Knetmaschinen und vielem anderen modernen Zubehör ausgebaut und setzte damit neue Maßstäbe. Die Bäckerei belieferte nun neben Hamburg und Lübeck auch Rostock, Wismar, Eutin, Preetz, Kiel, Neumünster, Bad Oldesloe, Reinfeld und eine Reihe anderer norddeutscher Städte. So war auch die neue, große Bäckerei schnell an ihre Produktionsgrenzen gestoßen. Zur Entlastung errichtete Junge 1902 in der Kieler Thorstraße eine Bäckerei mit zwei Doppelöfen. Bereits vier Jahre später wurde auch diese von einem größeren Fabrikbau in der Muhliusstraße mit sieben Etagenbacköfen und den modernsten Maschinen abgelöst.
Logo der Dampfbäckerei Hansa
Dynamisch zum Erfolg
Die dynamische Entwicklung hielt weiter an, so daß auch die Lübecker Betriebsstätte nicht mehr den Anforderungen standhalten konnte. Das geeignete Grundstück für einen Neubau fand sich ebenfalls in der Breiten Straße: Die Häuser 1, 3 und 5 wurden abgebrochen und dort 1907 eine Bäckerei gebaut, die allen modernen Anforderungen der Zeit entsprach. In diesem Haus, neben dem sich noch heute ein Café der Stadtbäckerei befindet, wurde zusätzlich zum Brot nun auch Kuchen gebacken. 1914 pachtete Junge die städtischen Wassermühlen, um die Betriebe in Lübeck und Kiel selbst mit Mehl zu versorgen. Die Jahre des Ersten Weltkriegs brachten eine Unterbrechung der Entwicklung, und erst mit der Neugestaltung der Geldverhältnisse Anfang der Zwanziger Jahre brach wieder der Mut durch, neue Ziele in Angriff zu nehmen: Im Spätsommer 1926 wurden die Häuser Hüxstraße 56/58 erworben und die Konditorei und Gebäckfabrik von der Breiten Straße dorthin ausgegliedert. In der Hüxstraße eröffnete Junge dann einen "Erfrischungs-, Kaffee- und Teeraum", der als späteres "Café Junge" vielen Lübeckern noch heute ein Begriff ist. Zum 30jährigen Bestehen zählte Johannes C. D. Junge in seiner Lübecker Dampfbäckerei 200 Mitarbeiter, ein Dutzend Automobile und eine Reihe Gespanne, die 60 eigene und ebenso viele fremde Verkaufsstellen belieferten.
Stammhaus in der Breiten Straße
Wirtschaftskrise und Krieg
Mit der Wirtschaftskrise Ende der Zwanziger Jahre brachen auch für die Firma Junge schwierige Zeiten an. Um der Bevölkerung den Brotkauf zu ermöglichen, wurden viele Waren zu Sonderpreisen angeboten. 1929 kaufte Johannes Junge den 150 ha großen Arfrader Hof, um dort Eier und Milchprodukte für die Konditorei selbst zu produzieren. Noch im selben Jahr erwarb er eine Kunstwalzenmühle in der Hafenstraße, die aber bald wieder verkauft wurde. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 änderten sich auch die wirtschaftlichen Verhältnisse durchgreifend. Das Verschwinden der Arbeitslosigkeit sowie die festen Löhne und Preise sorgten auch in der Bäckerei Junge für steigenden Absatz. 1935 übergab Firmengründer Johannes Junge seinem Sohn Hans den Lübecker Besitz. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurden die Betriebe in Lübeck und Kiel als lebenswichtig erklärt, um die Bevölkerung zu versorgen und eiserne Rationen herzustellen. Während die meisten Beschäftigten vom Wehrdienst freigestellt wurden, musste Hans Junges ältester Sohn Wolfgang 1939 zum Arbeitsdienst und zur Wehrmacht, von der er nach fünf Jahren russischer Kriegsgefangenschaft erst 1949 zurückkam. 1941 starb nach einem Schlaganfall der Firmengründer Johannes Junge. Sein jüngster Sohn, Dr. Walter Junge folgte ihm ein Jahr darauf.
Alte Filiale
Der Siegeszug des Schnittbrots
Die Bäckereibetriebe in Lübeck und Kiel hatten die Bombenangriffe unbeschadet überstanden und konnten nach dem Kriegsende weiterproduzieren. Der Bedarf an Brot und Backwaren - soweit es sie gab - war so groß, dass die Menschen noch bis zur Währungsreform 1948 in langen Schlangen vor den Geschäften standen. 1949 übernahm der aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrte Wolfgang Junge die Führung der Konditorei in der Hüxstraße, während sein jüngerer Bruder Dieter zusammen mit Vater Hans in enger Zusammenarbeit die Bäckerei leitete. In den Fünfziger Jahren wurde Brot immer häufiger im Lebensmittelhandel gekauft - der Siegeszug des Schnittbrots begann. In Folge wurden die Bäckerei in Kiel und der Arfrader Hof verkauft und 1963 eine moderne Brotfabrik in der Schwartauer Landstraße gebaut. Im selben Jahr vergab nach einer schweren Erkrankung Hans Junge das Unternehmen zu gleichen Teilen an seine Söhne. Mit Konzentration auf die Belieferung von Lebensmittelgeschäften stellten diese sich dem großen Wettbewerb von sieben Brotfabriken, die alle im Lübecker Raum aktiv waren. Von 1967 bis 1980 wurde gemeinsam mit der Firma Peters das Rugenberger Mühlenbrot produziert, während die Konditorei Junge weiter eigenständig Kuchen, Gebäck und Torten in der Breiten Straße produzierte und in den fünf verbliebenen Filialen verkaufte.
Alter Caféraum
Mit frischen Ideen zum Erfolg
Ende der 60er Jahre hatten Wolfgang und Dieter Junge begonnen, das Filialgeschäft wiederaufzubauen. Ihr Konzept war so erfolgreich, da sich das Geschäft mit vielen Neueröffnungen an ersten Adressen in Lübeck, Travemünde und Bad Schwartau sehr dynamisch entwickeln konnte. Neue Ideen - wie die Eröffnung einer Filiale mit Snackbereich im Jahre 1975 - wurden dabei stets konsequent umgesetzt. 1980 verkauften die Brüder ihre Anteile an der Rugenberger Mühle, um zusammen unter dem Namenszusatz "Stadtbäckerei" die Erfolgsgeschichte des Familienunternehmens fortzuschreiben. Die heutige Produktionsstätte in der Hafenstraße wurde gekauft, und mit neuen Ideen - etwa der Einrichtung von Filialen im Vorkassenbereich von Lebensmittelmärkten - fanden die Markenprodukte der Stadtbäckerei immer mehr Abnehmer. Der Erfolg ermutigte das Familienunternehmen, 1986 unter dem Namen "Hansebäcker" auch in Hamburg aktiv zu werden. Kurz bevor 1989 Dieter Junge nach schwerer Krankheit verstarb, trat sein ältester Sohn Axel in die Firma ein. Die Wiedervereinigung Deutschlands ermöglichte 1990 den Aufbau der Stadtbäckerei in Rostock, die inzwischen auf eine Produktionsstätte mit über 50 Filialen angewachsen ist. Mittlerweile backen wir auch in Greifswald in einer modernen Produktionsstätte. Heute ist die Stadtbäckerei Junge und der Hansebäcker Junge eines der größten Bäckereifachgeschäfte Norddeutschlands.
Verkaufsraum einer Hansebäcker Filiale
Ausblick
Mit ihrer 114jährigen Tradition, ihren 4 Bäckereien, rund 162 Filialen, 2400 Mitarbeitern und 175 Auszubildenden in Lübeck und Ostholstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern zählt die Stadtbäckerei Junge nicht nur zu den ältesten handwerklichen Familienunternehmen Norddeutschlands, sondern auch zu den größten. Da diese Entwicklung nicht dem Zufall zuzuschreiben ist, haben die Mitglieder der Familie Junge und auch die Mitarbeiter der Bäckerei mit ihrem ununterbrochenen Engagement für ihr Unternehmen bewiesen. Und mit einem bis heute ungebrochenen Mut zum unternehmerischen Risiko hat das Familienunternehmen immer wieder Verantwortung übernommen, die sich weit über die Grenzen des eigenen Betriebs ausgewirkt hat. Ziel dabei ist es, mit einem begeisterungsfähigen und leistungsstarken Team noch mehr interessante Arbeitsplätze zu schaffen und die norddeutsche Kundschaft weiterhin mit leckeren, frischen und qualitativ erstklassigen Backwaren zu verwöhnen.
Ende 2008 wurde in Binz die erste Junge-Filiale auf Rügen eröffnet